
Zukunft ohne Fisch?
Zukunft ohne Fisch?
Fischerei auf Kosten von Menschenrechten und Ernährungssicherheit
Das weltweite Fischereisystem ist nicht nachhaltig: Industrielle Fischfangflotten plündern die Meere im globalen Süden und entziehen lokalen Fischern die Existenzgrundlage. Der Rückgang der Fischbestände führt zu geringeren Einnahmen der Kleinfischer, weniger verfügbarem Fisch auf lokalen Märkten und höheren Fischpreisen für die Bevölkerung. Dies gefährdet die Ernährungssicherheit.
In Deutschland stammen über 80 % des konsumierten Fisches aus Importen. Bereits 35 % der weltweiten Fischbestände sind überfischt, Wissenschaftler warnen vor einem möglichen Kollaps bis 2050. Die Grundschleppnetzfischerei zerstört Meeresböden, setzt CO₂ frei und verschärft den Klimawandel. Hohe Beifänge etwa von Walen, Delfinen und Robben belasten die Ökosysteme zusätzlich. Zudem kommt es zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen in der Fischerei: Wanderarbeiter*innen werden unter falschen Versprechen auf Fischtrawler gelockt und müssen dort unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stuft diese Praktiken als Zwangsarbeit ein.
Es ist Zeit zu handeln – die industrielle Fischerei muss strenger reguliert werden, um die Ozeane vor dem Kollaps zu bewahren und die Lebensgrundlage der Menschen, insbesondere im globalen Süden, zu schützen.
Ein Rückblick
End of Fish Day – Wie kann die Fischkonsumwende gelingen?
Am 18. März 2026 diskutierten über 50 Expert*innen aus Politik, Wissenschaft, Unternehmen und NGOs beim End of Fish Day über globale Überfischung, die Gefährdung der Kleinfischerei in Westafrika und die Frage: Wie kann die Fischkonsumwende gelingen? Ein Rückblick auf eine lebhafte Debatte.
Positionspapier
End of Fish Day: Wer muss jetzt handeln?
Knapp 40 % der globalen Fischbestände gelten als überfischt und die Siegel MSC und ASC können einen nachhaltigen Fischkonsum nicht verlässlich garantieren. In diesem gemeinsamen Positionspapier von zehn Organisationen, darunter WWF, BUND, Deutsche Umwelthilfe und Essen mit Zukunft, analysieren wir die dringendsten Handlungsbedarfe und formulieren konkrete Empfehlungen an die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Gemeinschaftsverpflegung und die Politik.
ILLEGALE FISCHEREI
Fisch aus illegaler Fischerei – Warum auch Deutschland betroffen ist und was dagegen zu tun ist
Jeder fünfte gefangene Fisch stammt schätzungsweise aus illegaler Fischerei. Deutschland importiert rund 80 % seines Fischbedarfs – unter anderem aus Ländern mit besonders hohem Risiko für IUU-Fischerei. Was das bedeutet und was Politik und Verbraucher*innen tun können, erklären Expert*innen der Environmental Justice Foundation.
FISCHKONSUM
Mehr Fisch essen trotz Überfischung? DGE-Empfehlungen auf dem Prüfstand
Die Deutschen essen laut DGE offiziell zu wenig Fisch – doch gerade dieser Appell zur Steigerung des Konsums stößt angesichts massiver Überfischung, schwindender Bestände und globaler Umweltprobleme auf Kritik. Der neue Artikel hinterfragt, ob die Empfehlung von 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche in Zeiten ökologischer Krise noch zeitgemäß ist – und welche Alternativen eine nachhaltigere Ernährungsstrategie bietet.
FISCHVERFÜGBARKEIT
Krise im Ozean – Wie die Überfischung die globale Ernährungssicherheit bedroht
Fisch ist für Millionen Menschen weltweit überlebenswichtig – als zentrale Eiweißquelle und wirtschaftliche Lebensgrundlage. Doch die Ozeane stehen unter massivem Druck: Überfischung, illegale Fangpraktiken und schädliche Subventionen bedrohen die marine Biodiversität und die Versorgung ganzer Küstengemeinden, insbesondere im globalen Süden. Der Beitrag zeigt, warum ein Umsteuern in der Fischereipolitik dringend nötig ist – für gesunde Meere und eine gerechte Ernährung weltweit.
INTERVIEW
Die globale Überfischung nimmt nicht ab, sondern weiterhin zu
Meeresforscher Dr. Rainer Froese vom GEOMAR warnt im Interview vor den Folgen globaler Überfischung und erklärt, warum gesunde Fischbestände für Klima und Biodiversität so wichtig sind, wie zerstörerisch Grundschleppnetze wirken – und was sich politisch und gesellschaftlich dringend ändern muss. Außerdem geht es darum, warum viele „nachhaltige“ Produkte in Wahrheit problematisch sind, welche Fische man überhaupt noch essen kann und worauf Verbraucher*innen achten sollten.
Kleinfischerei in Afrika
Die Armee muss gehen! Kleinfischer*innen in Uganda ringen um Selbstbestimmung
Am Viktoriasee in Uganda kämpfen Kleinfischerinnen nicht nur ums tägliche Überleben, sondern auch gegen militärische Gewalt und staatliche Repression. Im Namen der Nachhaltigkeit wurde das Militär zur Kontrolle der Fischerei eingesetzt – mit dramatischen Folgen für die Gemeinden. Doch es gibt Hoffnung: Ein neues Gesetz soll die Teilhabe und Selbstbestimmung der Fischerinnen stärken. Die Organisation FIAN Uganda unterstützt sie dabei, ihre Rechte einzufordern und nachhaltige, agrarökologische Fischereistrukturen aufzubauen. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird die Regierung ihren menschenrechtlichen Pflichten endlich nachkommen?
Unsere Forderungen
Für eine Zukunft mit Fisch und gesunden Meeren
Industrielle Fischerei muss strenger reguliert werden
Fischereiquoten müssen sich konsequent an wissenschaftlichen Empfehlungen ausrichten. Zerstörerische Fischereipraktiken wie die Grundschleppnetzfischerei sollten verboten werden. Und es ist dringend nötig, die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei) sowie ausbeuterische Arbeitsbedingungen auf Fisch-Trawlern wirksamer zu bekämpfen. Dafür sind verschiedene Maßnahmen für mehr Transparenz in Fischlieferketten und ein Verbot der Nutzung von „Billigflaggen“ (also die Registrierung von Schiffen in Ländern mit geringen Arbeitsstandards und schlechten Regulierungen) erforderlich.
Kantinen und Mensen müssen Fischkonsum reduzieren
Mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland essen täglich in der Gemeinschaftsverpflegung, wo traditionell einmal wöchentlich Fisch angeboten wird. Zwar ist das Bewusstsein für die Problematik der globalen Überfischung vorhanden, jedoch fehlt es an einem Bewusstseinswandel in Bezug auf den Fischkonsum. Der Einkauf von MSC-zertifiziertem Fisch reicht aus Nachhaltigkeitsperspektive nicht aus. Wissenschaftler*innen und Umweltorganisationen betonen, dass eine Reduzierung der Überfischung nur mit einem reduzierten Fischkonsum möglich ist. Ernährungsmediziner*innen bestätigen, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung auch bei weniger als einmal wöchentlichem Fischkonsum möglich ist. Durch Beratung von Akteuren der Gemeinschaftsverpflegung sowie Bildungsarbeit trägt das Projekt dazu bei, das Bewusstsein für nachhaltigen und reduzierten Fischkonsum zu erhöhen.