istock-2163360539_3.jpg

Illegale Fischerei

Fisch aus illegaler Fischerei – Warum auch Deutschland betroffen ist und was dagegen zu tun ist

30.03.2026

Unser Ozean leistet einen erheblichen Beitrag zur Ernährungssicherheit und Weltwirtschaft. Weltweit sind über drei Milliarden Menschen von den Meeren als Hauptproteinquelle abhängig, und über 200 Millionen Menschen arbeiten im globalen Fischereisektor. Darüber hinaus sorgen die Meere für ein stabiles Klima: sie absorbieren ein Drittel der menschengemachten CO₂-Emissionen und produzieren rund die Hälfte des Sauerstoffs der Erde – mehr als alle Wälder zusammen. Dennoch setzen wir dieses unersetzliche Ökosystem einem massiven Druck aus.

Die moderne industrielle Fischerei existiert erst seit rund 75 Jahren, doch sind seit den 1950er Jahren bereits 90 % der großen Meeresfische wie Haie, Kabeljaue und Schwertfische durch den Fischfang verschwunden. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelten über 35 % der Fischpopulationen als nicht nachhaltig gefischt – mit anderen Worten, sie werden „überfischt“.

IUU-Fischerei bedroht Meeresökosysteme und Küstengemeinden

Die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei – kurz IUU-Fischerei – ist nach wie vor eine der größten Bedrohungen sowohl für Meeresökosysteme als auch für Küstengemeinden, die für ihre Ernährung und ihren Lebensunterhalt auf die Ressourcen mariner Ökosysteme angewiesen sind. IUU-Fischerei bezeichnet Fänge, die gegen Fischereigesetze verstoßen oder außerhalb des Geltungsbereichs von Fischereigesetzen und -vorschriften stattfinden. Nahezu jeder fünfte gefangene Fisch stammt geschätzt aus IUU-Fischerei, was die Weltwirtschaft jedes Jahr zwischen 10 und 23,5 Milliarden US-Dollar kostet. 

Die Auswirkungen der Überfischung und illegalen Fischerei sind jedoch nicht gleichmäßig über den Globus verteilt. Kleinfischereigemeinden und Länder mit niedrigem Einkommen tragen die größte Last. Im Gegensatz dazu sind es gerade Länder mit höherem Einkommen, die industrielle Fischerei in den Gewässern von Staaten mit niedrigerem Einkommen betreiben. Fangflotten einkommensstärkerer Länder sind für 78 % der nachweisbaren industriellen Fischerei in den Gewässern ärmerer Länder verantwortlich – häufig, entsprechend der Größe ihrer Fernfischereiflotten, sind dies Länder wie China, Taiwan, Südkorea oder Spanien.

Großteil der industriellen Fischerei wird nicht nachverfolgt

Darüber hinaus sind industrielle Fernfischereiflotten von einem weiteren Merkmal gekennzeichnet: wie eine Studie im Magazin Nature anhand mehrjähriger Satellitendaten ermittelte, können die Bewegungen von rund 75 % der weltweiten industriellen Fischereifahrzeuge nicht öffentlich nachverfolgt werden, wobei ein Großteil dieser Aktivitäten in Südasien, Südostasien und Afrika stattfindet. Das bedeutet, dass Überfischung, illegale Fischerei und weitere zerstörerische Praktiken leichter „im Dunkeln” bleiben, was häufig die Ausübung der Fischerei von Kleinfischer*innen beeinträchtigt und marinen Ökosystemen Schaden zufügt. Besonders deutlich wird dies in Westafrika, wo die IUU-Fischerei mindestens ein Drittel der gesamten regionalen Fangmenge ausmacht.

Unmenschliche Bedingungen an Bord

Neben Umweltschäden und Bedrohungen der Küstengemeinden, die von Fischerei abhängig sind – was durch den angeschlossenen verarbeitenden Sektor auch insbesondere Frauen trifft –, steht die globale IUU-Fischerei im engen Zusammenhang mit erheblichem menschlichem Leid. Dezimierte Fischpopulationen zwingen Fangschiffe, immer weiter und für immer längere Zeit auf das Meer hinauszufahren. Um Kosten zu sparen, herrschen teils unmenschliche Bedingungen an Bord der Schiffe. Investigative Recherchen von Journalist*innen und Umweltschutzorganisationen wie der Environmental Justice Foundation prangern immer wieder Zwangs-, Schuld- und Sklavenarbeit auf Fangschiffen an. 

Der Grund für diese Zustände auf den globalen Meeren ist schnell gefunden: es herrscht nach wie vor ein eklatanter Mangel an Transparenz, denn zu oft ist unklar, wer was, wann, wo und wie gefangen hat. Auf Basis dieser Analyse setzen sich vermehrt Initiativen von staatlicher und zivilgesellschaftlicher Seite dafür ein, mehr Licht ins „Dunkel” auf den Weltmeeren zu bringen. 

Globale Charta für Transparenz in der Fischerei fordert zehn einfache Maßnahmen

Über 55 Umweltschutzorganisationen sind seit 2023 zusammengekommen, um für die Globale Charta für Transparenz in der Fischerei zu werben. Die Globale Charta vereint zehn einfache, heute bereits verfügbare und kostenfreie bzw. kostengünstige Maßnahmen, die von Staaten unmittelbar umgesetzt werden können. Dazu zählen Schritte wie das Vergeben einer eindeutigen Kennung für Fangschiffe, das Veröffentlichen der Listen mit Angaben zu den Lizenzen von Fischereischiffen, die Identifizierung jener Personen, die schlussendlich von fischereilichen Aktivitäten profitieren und das Ratifizieren globaler Übereinkommen im Fischereisektor. 

Mit diesem Maßnahmenkatalog kann darauf hingewirkt werden, dass die Fischerei einen positiven Beitrag leistet für den Lebensunterhalt und die Ernährungssicherheit von Küsten- und Kleinfischereigemeinden, dass Arbeitsbedingungen und Menschenrechte von Fischern auf See gewahrt bleiben, und dass die unschätzbaren Ressourcen des Ozeans fair genutzt werden.

Die Globale Charta richtet sich nicht nur an Staaten, in deren Küstengewässern gefischt wird, sondern auch an Länder mit großen Fernfischereiflotten sowie an wichtige Marktstaaten. Kamerun, Ghana und Liberia unterstützen die Globale Charta bereits offiziell; zudem haben Großbritannien als maritime Nation sowie Taiwan und Südkorea, deren Fernflotten zu den größten überhaupt gehören, ihre Unterstützung zugesagt. 

Deutschland, als bedeutender Marktstaat für Einfuhren von Fisch und Meeresfrüchten, der die IUU-Fischerei weltweit als eine der größten Bedrohungen für die Nachhaltigkeit von Fischpopulationen und biologische Vielfalt anerkennt, kann durch Unterstützung der Globalen Charta ein positives Signal senden. Der sogenannte Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Fischereierzeugnissen lag 2024 bei knapp über 20 %. Somit ist die Bundesrepublik für die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten zu knapp 80 % auf Einfuhren angewiesen. Zu den Hauptexporteuren, die Fisch und Fischprodukte nach Deutschland einführen, gehören sowohl Russland als auch China – beides Länder, die laut dem unabhängigen IUU-Fischerei-Index das höchste Risiko für illegale Fischerei haben. Zudem zeigen Untersuchungen der chinesischen Fernfischereiflotte immer wieder alarmierende Fälle von illegaler Fischerei auf, von Shark-Finning oder Fängen von Meeressäugetieren. Damit im Zusammenhang stehen regelmäßig Menschenrechtsverletzungen an Bord und bei der Verarbeitung an Land. Mit einer öffentlichen Unterstützung für die Maßnahmen der Globalen Charta hat die Bundesregierung die Möglichkeit, deutlich zu zeigen, dass es ihr wichtig ist, dass sich deutsche Konsument*innen sicherer sein können, Fisch aus legaler Quelle auf ihren Tellern zu finden, der ohne Menschenrechtsverletzungen gefangen wurde.

Bessere EU-Einfuhrkontrollen sind notwendig

Die Bundesregierung sollte zudem die Europäische Kommission stärker unterstützen, um auf bessere Einfuhrkontrollen in der gesamten Europäischen Union hinzuwirken. Im Oktober 2025 veröffentlichte eine Koalition von Umweltschutzorganisationen eine Analyse der Kontrollen der EU-Mitgliedstaaten von Fisch und Fischprodukten, die von außerhalb der EU in den Binnenmarkt eingeführt werden. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Sie zeigen ein unzureichendes Kontrollniveau bei Fischereierzeugnissen, die als stark risikobehaftet für IUU-Fischerei gelten. Es bestehen erhebliche Unterschiede in der Durchführung der Kontrollen unter den einzelnen EU-Mitgliedstaaten und insgesamt stellen die Behörden der EU-Staaten nur wenige Überprüfungsanfragen an Exportstaaten und verweigern Einfuhren nur sehr selten. Da Deutschland seine Kontrollen vergleichsweise strenger durchführt als viele andere EU-Mitgliedstaaten, kann es zu Kontroll-„Shopping“ kommen – Einfuhren werden gezielt über EU-Staaten mit schwächerer Kontrolle geleitet. Dies verzerrt den Wettbewerb und untergräbt die Glaubwürdigkeit des EU-Markts. Denn sind Fischprodukte einmal auf den Binnenmarkt gelangt, werden sie nicht nochmals kontrolliert. Das bedeutet potenziell weiterhin, dass Fischer*innen in Deutschland und aus der EU, die hiesige Nachhaltigkeits- und Arbeitsstandards zu erfüllen haben, benachteiligt werden. Deutschland sollte daher unterstützend in die Europäische Kommission hineinwirken, damit Kontrollmaßnahmen in allen EU-Staaten angeglichen und Informationen über IUU-Verdachtsfälle umgehend gemeldet werden.

Der Weg hin zu einer weltweit fairen und wirklich nachhaltigen Fischerei, die auch die Interessen und Bedürfnisse von Küstengemeinden in Entwicklungsländern und die Rechte von Crew-Mitgliedern auf See bewahrt, ist noch weit. Es fehlt nicht das Wissen, denn Gründe und Lösungen sind weithin bekannt. Die EU und Deutschland als global wichtige Märkte für Fisch und Meeresfrüchte haben es in der Hand, mit Partnerländern zu mehr Transparenz auf den Meeren beizutragen – es ist Zeit, politischen Willen zu zeigen für nachhaltige, legale und ethische Fischerei.

Autor*innen: Dr. Annette Cerulli-Harms, Dr. Mona Friedrich und Georg Werner

Dr. Annette Cerulli-Harms, Dr. Mona Friedrich und Georg Werner sind Mitarbeiter*innen der Environmental Justice Foundation (EJF) Deutschland. Annette leitet das Berliner Büro als Chief Representative Deutschland. Mona arbeitet als Meeresreferentin an EJFs Kampagnen und steht im Austausch mit politischen Stakeholdern. Georg ist zuständig für die globale Arbeit von EJF zur Transparenz in der Fischerei.

Bild: Worrachat Tunkheang / iStock

unbenannt-2.jpg

Kleinfischerei in Afrika

Die Armee muss gehen! Kleinfischer*innen in Uganda ringen um Selbstbestimmung

Am Viktoriasee in Uganda kämpfen Kleinfischerinnen nicht nur ums tägliche Überleben, sondern auch gegen militärische Gewalt und staatliche Repression. Im Namen der Nachhaltigkeit wurde das Militär zur Kontrolle der Fischerei eingesetzt – mit dramatischen Folgen für die Gemeinden. Doch es gibt Hoffnung: Ein neues Gesetz soll die Teilhabe und Selbstbestimmung der Fischerinnen stärken. Die Organisation FIAN Uganda unterstützt sie dabei, ihre Rechte einzufordern und nachhaltige, agrarökologische Fischereistrukturen aufzubauen. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird die Regierung ihren menschenrechtlichen Pflichten endlich nachkommen?