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Ein Rückblick

End of Fish Day – Wie kann die Fischkonsumwende gelingen?

01.04.2026

Am 18.03.2026 hat Essen mit Zukunft e.V. gemeinsam mit Fair Oceans und Brot für die Welt anlässlich des End of Fish Day eine Dialogveranstaltung organisiert. In einem vierstündigen Online-Format diskutierten Expert*innen aus Politik, Wissenschaft, Unternehmen und NGOs über den Fischkonsum, die Fischereiindustrie und deren globale Folgen.

[English version below]

Durch die zweiteilige Veranstaltung führte Dr. Tanja Busse. Für die internationalen Gäste wurde im ersten Teil eine Verdolmetschung in Deutsch und Englisch angeboten. Die über 50 Teilnehmenden – darunter Fachexpert*innen, Journalist*innen sowie Interessierte – zeigten sich über die gesamte Veranstaltung hinweg als diskussionsfreudiges Publikum, sodass nicht nur auf dem Podium, sondern auch im Chat eine lebendige Diskussion entstand.

Zum Einstieg machte Mireille Remesch auf den Kontext dieses Dialogs aufmerksam. Denn am 19.03.2026 hat Deutschland rechnerisch bereits seinen Fisch für das Jahr 2026 aufgebraucht. Dieses Datum hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert und verdeutlicht, wie dringend eine Fischkonsumwende notwendig ist.

Die Gefährdung der Kleinfischerei in Westafrika

Der erste Teil widmete sich der Frage, was sich in der Fischerei ändern muss, um den Lebensraum Meer zu schützen und die Ernährungssicherheit der Menschen zu sichern. Mit einem Input zum Thema „Globale Überfischung – Ursachen und Handlungsbedarf“ zeigte Kai Kaschinski von Fair Oceans die globalen Abhängigkeiten in der Fischerei auf und erläuterte die Zusammenhänge zwischen Fischfang im globalen Süden und globalen Norden.

In einem zweiten Input thematisierte Nusa Urbancic von der internationalen Organisation Changing Markets das Ausmaß der industriellen Aquakulturen in Europa, deren hohen Verbrauch von Fischmehl und Fischöl sowie die daraus resultierenden massiven Auswirkungen auf die globalen Fischbestände und die Ernährungssicherung – insbesondere am Beispiel Westafrikas.
Einen lokalen Blick auf die Situation der Kleinfischerei vor der Küste Westafrikas gab Dawda Saine von CAOPA – einer Vereinigung afrikanischer Kleinfischereiverbände. Er zeigte anschaulich, wie die industrielle Fischerei die Lebensgrundlage der Kleinfischer*innen bedroht, und erklärte, wie stark kulturell und wirtschaftlich die Kleinfischerei für die lokale Bevölkerung an den Küsten verankert ist – „Fischerei ist ihr Leben.“

Abgeschlossen wurde der erste Teil mit einer Diskussion mit Kai Kaschinski, Béatrice Gorez von CFFA (Coalition for Fair Fisheries Arrangements) und Christoph Frauenpreiß, Vorsitzender des Deutschen Fischereiverbands und MdB für die CDU. Inhaltlich wurden Perspektiven und Handlungsbedarfe für die deutsche und europäische Fischerei vor dem Hintergrund der globalen Überfischung diskutiert – ebenso die Frage, wie Nord- und Ostsee künftig nachhaltig befischt werden könnten und sollten.

Wie kann die Fischkonsumwende gelingen?

Im zweiten Teil zeigte Annemarie Botzki von Foodwatch die Verbraucher*innenperspektive anhand der Fischsiegel MSC und ASC und deren unzureichender Kriterien für eine wirklich nachhaltige Fischerei auf.

Julia Sievers von Essen mit Zukunft formulierte die großen Potenziale der Gemeinschaftsverpflegung für eine Fischkonsumwende. Zugleich sei die in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) genannte Menge an Fischkonsum zu hoch angesetzt und könnte aktuell gar nicht gedeckt werden – schon gar nicht aus nachhaltigen Quellen. Da sich öffentliche Kantinen an den DGE-Empfehlungen orientieren, sei hier eine Anpassung notwendig.

Der zweite Teil der Veranstaltung endete mit einer Diskussion. Annemarie Botzki von Foodwatch, Mark Heuer vom WWF, Annette Cerulli-Harms von der Environmental Justice Foundation und Julia Sievers diskutierten über die Verantwortung von Unternehmen, Gemeinschaftsverpflegung und Politik für nachhaltige Fischlieferketten. Beiträge aus dem Publikum – insbesondere aus Wissenschaft und Fachpraxis – bereicherten die Runde und führten zu einer lebhaften Debatte über notwendige Verantwortungsübernahme sowie die Verbesserung der Kriterien für Nachhaltigkeitssiegel.
Francisco Marí von Brot für die Welt schloss die Veranstaltung und ermutigte alle Beteiligten, weiter am Thema dran zu bleiben, da nur gemeinsam Lösungen für nachhaltige Fischerei und globale Ernährungssicherheit gefunden werden können.

Die Veranstaltung wurde organisiert von Essen mit Zukunft e.V., Fair Oceans und Brot für die Welt.

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Review

End of Fish Day – How can we achieve a shift in fish consumption?

01 April 2026


On 18 March 2026, Essen mit Zukunft e.V., in cooperation with Fair Oceans and Bread for the World, hosted a dialogue event to mark End of Fish Day. In a four‑hour online format, experts from politics, science, civil society and the private sector discussed patterns of fish consumption, the state of global fisheries, and the global consequences of both.


Moderated by Dr. Tanja Busse, the two‑part event offered simultaneous interpretation into German and English for international participants. More than 50 attendees — including experts, journalists, retailers and consumers — contributed to a lively and engaged discussion, both on the panel and in the chat.
Opening the event, Mireille Remesch highlighted the urgency of the topic: by 19 March 2026, Germany had already consumed its calculated share of fish for the entire year. This date has remained virtually unchanged in recent years, underscoring the pressing need for a fundamental shift in fish consumption.

The threat to small‑scale fisheries in West Africa
The first part of the event explored what must change in the fisheries sector to protect marine ecosystems and safeguard global food security.
In his presentation “Global Overfishing – Causes and Need for Action,” Kai Kaschinski (Fair Oceans) outlined global interdependencies of fisheries and explained how fishing activities in the Global North and Global South are interconnected.
Nusa Urbancic of the Changing Markets Foundation followed with an analysis of Europe’s industrial aquaculture sector. She highlighted its heavy reliance on fishmeal and fish oil, and the resulting severe impacts on global fish stocks and food security — with West Africa serving as a particularly stark example.
A local perspective came from Dawda Saine of CAOPA, a coalition of African small‑scale fishers’ organisations. He vividly illustrated how industrial fleets threaten the livelihoods of small‑scale fishers and emphasised the deep cultural and economic significance of artisanal fishing for coastal communities: “Fishing is their life.”
The first session concluded with a panel discussion featuring Kai Kaschinski, Béatrice Gorez (CFFA – Coalition for Fair Fisheries Arrangements) and Christoph Frauenpreiß, Chair of the German Fisheries Association and Member of Parliament (CDU). They discussed perspectives and necessary actions for German and European fisheries in the context of global overfishing, as well as how the North Sea and Baltic Sea could — and should — be managed sustainably.

How can we achieve a shift in fish consumption?
The second part of the event turned to consumer behaviour and market dynamics.
Annemarie Botzki (Foodwatch) examined the widely used MSC and ASC certification schemes, highlighting their insufficient criteria and the gap between consumer expectations and actual sustainability standards.
Julia Sievers (Essen mit Zukunft) outlined the significant potential of communal catering to drive a shift in fish consumption. She also noted that the fish quantities recommended by the German Nutrition Society (DGE) are set unrealistically high and cannot currently be met — especially not from sustainable sources. Since public canteens rely on DGE guidelines, she argued that an adjustment is urgently needed.
The concluding panel brought together Annemarie Botzki (Foodwatch), Mark Heuer (WWF), Annette Cerulli‑Harms (Environmental Justice Foundation) and Julia Sievers. They discussed the responsibilities of businesses and communal catering providers and policymakers in ensuring sustainable fish supply chains. Contributions from researchers and practitioners in the audience enriched the debate, particularly around accountability and the need to strengthen sustainability certification criteria.
Francisco Marí from Bread for the World closed the event, encouraging all participants to stay engaged with the topic, as only joint efforts can lead to solutions for sustainable fisheries and global food security.


The event was jointly organised by Essen mit Zukunft e.V., Fair Oceans and Bread for the World.