
Fischfakten
1x pro Woche Fischstäbchen & Co – mit vielen Schattenseiten
Der wöchentliche Fischkonsum in Deutschland basiert überwiegend auf industrieller Fischerei und Fischzucht – mit vielen negativen Auswirkungen…
Überfischung gefährdet Lebensgrundlagen: Viele Fischbestände sind überfischt. Das bedeutet: Es werden mehr Fische gefangen, als nachwachsen können.
Das Problem ist, dass Fangquoten politisch festgelegt werden und dabei die Empfehlungen von Wissenschaftler*innen regelmäßig überschritten werden.
Einige Fischbestände in Deutschland und Europa sind bereits zusammengebrochen – zum Beispiel Dorsch und Hering in der Ostsee.
Um den traditionell wöchentlichen Fischkonsum aufrecht erhalten zu können, wird etwa 80% des in Deutschland konsumierten Fisches importiert.
Die industrielle Fischerei verursacht auch weltweit Überfischung und zerstört mit schädlichen Fangtechniken wichtige Lebensgrundlagen für Menschen und Tiere.
Grundschleppnetzfischerei auf Kosten von Klimaschutz und Biodiversität
Zum Beispiel wird durch die Grundschleppnetzfischerei der Meeresboden stark geschädigt. Das ist ein großes Problem, u.a. weil die am Meeresboden vorhandenen Pflanzen wie Seegraswiesen wichtige Kohlenstoffspeicher sind. Insgesamt ist das Meer die wichtigste natürliche Kohlenstoffsenke – es bindet etwa 12 mal mehr CO2 als alle Landpflanzen und Böden zusammen. Dabei absorbiert das Meer jedes Jahr etwa ein Drittel der vom Menschen weltweit verursachten Emissionen. Diese wichtige Funktion des Meeres wird durch die Grundschleppnetzfischerei gefährdet. Denn das Aufwühlen des Meeresbodens führt dazu, dass riesige Mengen CO2 freigesetzt werden. Für den Klimaschutz muss hier dringend gegengesteuert werden.
Hohe Beifänge, Gefährdung von Existenzgrundlagen und Ernährungssicherheit
Viele Fangtechniken sind zudem ein Problem, weil sie nicht nur die Fische fangen, die auf unseren Tellern landen, sondern nebenbei auch riesige Mengen sogenannter Beifänge – darunter Tiere wie Delfine, Wale und Robben, die auf diese Weise qualvoll sterben. Weltweit landen Schätzungen zufolge bis zu 27 Millionen Tonnen Beifang in den Fischernetzen.
Darunter sind auch große Mengen Fisch, die bei uns nicht gegessen werden, die aber in ärmeren Ländern, zum Beispiel in Afrika, eine hohe Bedeutung für die lokale Fischversorgung haben.
Auf Grund dieser Beifänge hat die industrielle Fischerei vor den Küsten in Afrika, Asien und Amerika sehr negative Folgen für lokale Kleinfischer: Sie können immer weniger Fisch fangen – dies gefährdet ihre Existenzgrundlage.
Durch die immer geringeren Fischmengen, die Kleinfischer fangen, wird Fisch auf lokalen Märkten knapp und immer teurer. Da Fisch in Küstenregionen des globalen Südens eine wichtige Eiweißquelle sind, gefährdet die industrielle Fischerei auch die Ernährungssicherheit vor Ort.
Fischzucht auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Ernährungssicherheit: Lachs und Shrimps aus Fischzucht (Aquakulturen) werden oft mit Wildfisch gefüttert. Damit tragen auch Aquakulturen zur Überfischung bei. Für ein Kilogramm Lachs wird bis zu 4 Kilogramm Wildfisch benötigt, der zu Fischmehl verarbeitet wird und dann als Fischfutter eingesetzt wird. Besonders problematisch: Als Fischfutter dienen auch Fischarten, die für die Küstenbevölkerung in Afrika und Asien eine wichtige Nahrungsgrundlage sind. Die Fischmehlverarbeitung hat in einigen Regionen schon zu einer stark eingeschränkten Fischverfügbarkeit für den lokalen Konsum geführt.
Abgesehen davon sind die Bedingungen in der Fischzucht schädlich für die Tiere, die Umwelt und uns Menschen: Die Fische leben auf engstem Raum in den Becken. Um den Ausbruch von Krankheiten einzudämmen, werden Antibiotika und verschiedene Chemikalien eingesetzt, die als Abwasser die lokalen Gewässer verschmutzen. Die Chemikalien landen zudem als Rückstände im Fisch auf unseren Tellern…
Warum Siegel wie MSC und ASC allein keine Lösung sind
Aktuell beschränken sich die Bemühungen um Nachhaltigkeit beim Fischkonsum weitgehend darauf, beim Einkauf auf Nachhaltigkeitssiegel zu achten. Besonders bekannt und verbreitet sind die Siegel Marine Stewardship Council (MSC) für Wildfisch sowie Aquaculture Stewardship Council (ASC) für Fisch aus Aquakulturen (Fischzucht). Doch beide Siegel stehen seit vielen Jahren in der Kritik und können aufgrund massiver Mängel einen nachhaltigen Fischkonsum allein nicht garantieren.
Das sind wichtige Kritikpunkte am MSC:
• Es wird auch Fisch zertifiziert, der aus überfischten Beständen kommt
• Fisch aus Grundschleppnetzfischerei wird nicht von der Zertifizierung ausgeschlossen.
• Das Siegel bietet keine Lösung für das Problem der Beifänge, u.a. von bedrohten Arten.Das sind wichtige
Kritikpunkte am ASC:
• Fischfutter aus Wildfisch sowie aus gentechnisch veränderten Sojafuttermitteln sind zugelassen
• Die Vorgaben für den Medikamenteneinsatz sind beim ASC problematisch
• Viele ASC-zertifizierte Zuchtbetriebe erfüllen die Nachhaltigkeitsstandards des Siegels nicht. Die Kontrollen sind offenbar nicht ausreichend.1
Wie Fischkonsum nachhaltig werden kann
Es ist Zeit zu handeln – gegen die Überfischung und zerstörerische Fischereipraktiken. Für den Schutz lebenswichtiger Meeresökosysteme, für den Schutz von Walen und Delfinen und für die Bewahrung von Fisch als Nahrungs- und Existenzgrundlage.
Die Verantwortung von Schulmensen und Kantinen
In Deutschland werden täglich 40 Millionen Mittagessen in der Gemeinschaftsverpflegung serviert. Traditionell wird mindestens 1x wöchentlich Fisch angeboten – das sind also etwa 8 Millionen Fischmahlzeiten pro Woche. Doch Nachhaltigkeit spielt beim Fischeinkauf bisher eine viel zu geringe Rolle.
Wenn viele Schulmensen und Kantinen mit einer veränderten Nachfrage nach Fisch ein Zeichen setzen, kann dies Einfluss nehmen darauf, wie nachhaltig Fischerei betrieben wird.
Was jeder tun kann:
• Weniger Fisch essen und dafür konsequenter auf eine wirklich nachhaltige Herkunft achten.
• Die Mensaleitung darauf ansprechen, dass man an nachhaltigem Fisch interessiert ist
• Das Thema für den Unterricht vorschlagen
Was Leitungen von Schulmensen und Kantinen tun können:
• Fisch nicht jede Woche anbieten.
• Fisch nur aus wirklich nachhaltiger Fischerei oder nachhaltiger Fischzucht anbieten. Dafür bei Wildfisch auf das MSC-Siegel und zusätzlich auf die Empfehlungen von Fischratgebern achten:
◦ WWF-Fischratgeber
◦ Guter Fisch-Liste
• Fisch aus Aquakulturen nur aus Naturland-, oder Biolandzucht anbieten.
Brauche ich nicht jede Woche Fisch, um gesund zu bleiben?
Nein – alle wichtigen Nährstoffe kannst du auch ohne wöchentlichen Fischkonsum zu dir nehmen. Wichtig ist eine ausgewogene, vielfältige und weitgehend pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse und Hülsenfrüchten.
Worauf du besonders für eine gute Nährstoffversorgung achten kannst, wenn du nicht jede Woche Fisch isst:
Für die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren:
Omega-3-Fettsäuren spielen für deinen Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Sie sind u.a. wichtig für die Nervenzellen und können Entzündungen entgegenwirken. Für eine gute Versorgung iss möglichst mehrmals wöchentlich Saaten (z.B. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne) und Nüsse (v.a. Walnüsse). Als Standard-Öl sollte Rapsöl genutzt werden und für Salat-Dressings auch Leinöl verwenden. Auch Mikro-Algen sind reich an Omega-3-Fettsäuren.
Für die Versorgung mit Jod: Eine ausreichende Jodversorgung ist wichtig, damit die Schilddrüse in deinem Körper lebenswichtige Hormone produzieren kann. Neben fettreichem Fisch sind auch Algen gute natürliche Jod-Quellen. Falls du noch kein Algen-Feinschmecker bist: Neben Sushi gibt es viele weitere leckere Gerichte mit Algen…
Schaut bei Algen-Produkten auf den Jodgehalt und achtet darauf, dass euer Körper nicht zu viel und nicht zu wenig Jod bekommt. Auch jodiertes Speisesalz kann natürlich für die Jod-Versorgung genutzt werden.
Zum Weiterlesen:
Positionspapier zur Fischkonsumwende
Aktiv werden für mehr Nachhaltigkeit in der Fischerei:
Online-Petition zum MSC-Siegel: Fordere das MSC-Siegel auf, keine zerstörerischen Fangmethoden oder Fisch aus überfischten Beständen zu zertifizieren
Online-Petition zum ASC-Siegel: Fordere das ASC-Siegel auf, bei der Lachs-Zucht stärker auf Nachhaltigkeit, Tierschutz und wirksame Kontrollen zu setzen
FISCHKONSUM
Mehr Fisch essen trotz Überfischung? DGE-Empfehlungen auf dem Prüfstand
Die Deutschen essen laut DGE offiziell zu wenig Fisch – doch gerade dieser Appell zur Steigerung des Konsums stößt angesichts massiver Überfischung, schwindender Bestände und globaler Umweltprobleme auf Kritik. Der neue Artikel hinterfragt, ob die Empfehlung von 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche in Zeiten ökologischer Krise noch zeitgemäß ist – und welche Alternativen eine nachhaltigere Ernährungsstrategie bietet.