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EINFACHE SPRACHE & AUDIOTEXT

"Hört auf tödliches DORMEX zu produzieren?“

Gespräch mit Kara Mackay vom Women on Farms Project (WFP)
Women on Farms Project (WFP) ist eine Organisation die Frauen fördert. Seit 1996 arbeitet sie mit Landarbeiterinnen. Diese Frauen arbeiten in der Nahrungsmittelproduktion. In Südafrika hat das WFP viel dazu beigetragen, dass die Gefahren von Pflanzenschutzmitteln öffentlich werden und die Landarbeiterinnen besser informiert sind. Vor allem setzt sich das Projekt für die Rechte von Frauen in der Landwirtschaft ein. Es will auch verhindern, dass Pflanzenschutzmittel benutzt werden, die in Europa verboten sind, aber nicht in Südafrika.

Kara Mackay ist Kampagnen-Koordinatorin des WFP. Im Gespräch erklärt sie, warum das Projekt sich für ein Verbot gefährlicher Pflanzenschutzmittel einsetzt.

Das Gespräch wurde von Mireille Remesch geführt und ins Deutsche übersetzt.

Frage: Was sind die Hintergründe zur Landwirtschaft in Südafrika?

  • Die Landwirtschaft hat traurige historische Wurzeln im Kolonialismus und Apartheid. Ein Großteil des Landes gehört noch weißen Männern.
  • Landwirtschaft ist industriell, arbeitsintensiv und ausfuhrorientiert.
  • Pflanzenschutzmittel spielen eine zentrale Rolle und bringen Gewinne, aber schädigen Umwelt und Menschen.
  • Viele Landarbeiterinnen haben Anspruch auf Informationen und Schulungen, doch welche Pflanzenschutzmittel verwendet werden, bleibt oft geheim.

 

Frage: Welche Pflanzenschutzmittel werden verwendet?

  • Es gibt kein öffentliches Register der verwendeten Pflanzenschutzmittel. 
  • Das WFP fand heraus, dass das Pflanzenschutzmittel Dormex (mit dem Wirkstoff Cyanamid) oft vorkommt – sowohl bei Trauben als auch bei Weintrauben.

 

Frage: Was sind die Folgen der hochgefährlichen Pflanzenschutzmittel?

  • Die Gesundheit der Arbeiterinnen verschlechtert sich; sie können nicht mehr arbeiten und verdienen kein Geld mehr.
  • Auf Farmen hängen Beschäftigung und Wohnen zusammen. Wenn jemand nicht arbeiten kann, kann er oder sie oft kein Farmhaus mehr behalten.
  • Ein Beispiel: Eine Frau wurde zusammen mit ihrem krebskranken Mann aus ihrem Farmhaus vertrieben. Ihre Tochter musste die Schule abbrechen, um zu arbeiten. Die Familie konnte nicht mehr gut leben; die Tochter kämpft heute wieder um ihre Bildung.

Frage: Warum werden diese Pflanzenschutzmittel noch benutzt?

  • Pestizidfirmen machen große Gewinne.
  • In Südafrika gibt es kein strenges Regulierungssystem wie in Europa. Produkte aus Europa werden oft dort verkauft, obwohl sie in Europa verboten sind.

Frage : Was macht die Regierung und die Politik?

  • Die Regierung versprach, 67 hochgefährliche Pflanzenschutzmittel zu verbieten, hat aber 2023 oft Ausnahmen erlaubt.
  • Das WFP hat das Thema auf die nationale Agenda gesetzt und kämpft auf vielen Ebenen dafür, dass gefährliche Pflanzenschutzmittel verboten werden.

 

  • Frage: Was ist Dormex?
    Dormex enthält den Wirkstoff Cyanamid. Es wird in Südafrika im Trauben- und Weinanbau eingesetzt. Bei einer Aktionärsversammlung in Deutschland forderte das WFP den Herstelle Alzchem auf, Dormex nicht weiter nach Südafrika zu liefern.
  • Dina Ndleleni, eine Landarbeiterin, wurde im Juli 2022 durch Dormex schwer vergiftet. Sie hat Symptome wie Atemnot, Schwindel und musste ins Krankenhaus. Sie kämpft um Unterstützung und Entschädigung.

 

Frage: Welche nicht-chemische Pflanzenschutzmethoden gibt es ?

  • Das WFP will weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen. Es fördert Bauernhöfe mit ökologischen Praktiken und Schulungen.
  • Ziel ist eine pestizidfreie Zukunft, erst langsam, dann schrittweise.

 

Dormex und Cyanamid

  • 2008 wurde Cyanamid in der EU wegen Gesundheitsrisiken verboten; Dormex ist dort seit 2009 nicht mehr regulär zugelassen.
  • Risiken: Hautschäden, Organschäden, mögliche Krebs- und Fortpflanzungsschäden.
  • Die Belastung kann selbst mit Schutzkleidung den Grenzwert deutlich überschreiten.