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EINFACHE SPRACHE & AUDIOTEXT

Tag der Agrarökologie 2.0 – ein Rückblick

Ein lebendiger Start in den Tag

Schon um 10 Uhr morgens war der Raum der Spore Initiative in Berlin gut gefüllt. Es gab viele Angebote: Workshops, ein World Café, Gespräche und Zeit zum Vernetzen.

Unser Ziel an diesem Tag war klar: Wir wollten aus unserer eigenen Blase herausgehen und zeigen, was sich in Deutschland zu Agrarökologie in Wissenschaft, Praxis, Bildung und Politik bewegt.

Politik und internationale Beispiele

Wir freuten uns besonders über die starke Beteiligung aus der Politik. Alexander Lingenthal vom BMZ sagte in seiner Rede, dass Agrarökologie ein wichtiger Teil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist. Sie spielt auch in internationalen Prozessen eine immer größere Rolle.

Auch wenn noch nicht alles gut läuft, sind das wichtige Schritte.

Einen internationalen Blick brachte Mamadou Sow von Enda Pronat aus dem Senegal ein. Er zeigte, wie dort viele verschiedene Gruppen zusammenarbeiten. So wird Agrarökologie vor Ort und im ganzen Land gestärkt – sogar in politischen Programmen und Schulen.

Agrarökologie in Deutschland

Doch wie steht es um Agrarökologie in Deutschland?
In drei Workshops tauschten wir uns dazu aus. Die Themen waren Landfragen, Pflanzenkohle und Terra Preta sowie Agrarökologie im Alltag.

Agrarökologie ist alltagstauglich

In einem Workshop mit FIAN Deutschland und der Romero Initiative (CIR) ging es darum, Agrarökologie für viele Menschen verständlich und erlebbar zu machen – vom Acker bis zum Teller.

Agrarökologie ist niedrigschwellig:
Wer in Kooperativen einkauft, bei einer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) mitmacht oder kleine Lebensmittelbetriebe unterstützt, hilft agrarökologischen Ansätzen direkt. Darüber sprachen wir mit 25 Teilnehmenden.

Wissen teilen und voneinander lernen

Unterstützt wurden wir von Emma Andre (AbL) und Anke Kähler (Agrarökologische Praxisallianz). Ein zentrales Ergebnis war: Der Austausch von Wissen ist sehr wichtig.
Lokale Netzwerke von Bäuerinnen und Bauern, unterstützt von Forschungseinrichtungen, helfen dabei, praktische Lösungen zu finden. Ein Beispiel ist das französische CIVAM-Netzwerk. Es zeigt, wie gemeinsames Lernen regionale Ernährungssysteme stärkt.

Herausforderungen im Alltag

Lokale Ernährungssysteme wachsen, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher direkt mit Erzeugerinnen und Erzeugern in Kontakt kommen. Das geht zum Beispiel durch Mitarbeit auf Höfen, WOOFing, Solawis, Hoffeste oder gemeinsames Kochen.

Gleichzeitig gibt es Probleme:
Viele Höfe sind schwer erreichbar, manche Haushalte haben zu wenig Geld und es fehlt an Möglichkeiten, Hof-Erfahrungen dauerhaft in den Alltag einzubauen. Klar wurde auch: Regionale Wertschöpfung braucht regionale Verarbeitung.

Mehr Bewusstsein für Agrarökologie

In einer weiteren Gruppe ging es um Lebensmittelhandwerk und Verkauf. Am Beispiel von Getreide und Hülsenfrüchten zeigte sich: Es fehlen regionale Lager, Verarbeitungsbetriebe und kleine Mühlen. Große Mühlen dominieren den Markt und bremsen kleine Betriebe aus.
Die Agrarökologische Praxisallianz will deshalb regionale Strukturen neu aufbauen – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dafür braucht es bessere Zusammenarbeit und mehr Bewusstsein in der Gesellschaft für die Vorteile von Agrarökologie.

Gemeinschaftsverpflegung als Chance

In der dritten Gruppe ging es um Essen in Kantinen, Kitas und Schulen. Das Projekt „Essen mit Zukunft“ aus Schleswig-Holstein zeigte:
Weniger Fleisch und Fisch und mehr Bio sind möglich, ohne dass das Essen teurer wird – wenn alle Beteiligten mitmachen.

Wichtig ist, dass Essen wieder mehr Wertschätzung bekommt. Dafür braucht es mehr Ernährungsbildung, gemeinsames Kochen und Essen sowie Fördergelder für neue Projekte.

Ein starkes Netzwerk entsteht

Am Ende des Tages gab es mehrere Runden im World Café. Viele Initiativen und Projekte stellten ihre Arbeit vor. Die Gespräche waren lebendig und inspirierend.

Besonders beeindruckend war das Schweizer Netzwerk „Agroecology Works!“, das seit fünf Jahren Menschen aus der Agrarökologie zusammenbringt.

Die große Vielfalt der Teilnehmenden zeigte: Agrarökologie ist bereits an vielen Orten verankert. Wir hoffen, dass auch in Deutschland ein starkes Netzwerk weiter wächst.
Die nächsten Tage der Agrarökologie sind schon für 2026 geplant.

 

Wer ist die Autorin?

Mireille Remesch arbeitet bei der Agrar Koordination. Dort ist sie Expertin für das Thema Ernährung in der ganzen Welt und für Landwirtschaft.